Aktuelle Themen Dialog des Films
PATRICK BATCHELOR
Wenn Sie mich fragen, gibt es auf der Welt nichts, was über jeden Zweifel erhaben ist. Ob ich noch so lange lebe, um heute Nachmittag hier aufzustehen und dieses Büro zu verlassen? Ich könnte in zehn Minuten einen Herzanfall haben und tot umfallen. Das wär’s dann gewesen.
VICKY LAYFIELD
Wir sehen uns dann später ...
DAN LAYFIELD
Was?
VICKY LAYFIELD
Ich sagte, wir sehen uns später ...
PATRICK BATCHELOR
Wenn man sich zu fragen beginnt, was jenseits allen Zweifels ist, so muss man feststellen, dass es auf der Welt nichts gibt, was wirklich gewiss ist.
VICKY LAYFIELD
Ich sagte, wir sehen uns später ...
DAN LAYFIELD
Vielleicht ...
VICKY LAYFIELD
Ja, vielleicht ...
VICTOR SPITZER
Wir haben nur wenig Zeit zur Verfügung. Wir sind nur sehr kurz auf Erden, um alles erreichen zu können ... nicht wahr?
PATRICK BATCHELOR
Das ist der Gerichtssaal, in dem Joseph Paul Jernigan 1981 verurteilt wurde. Er sass auf diesem Stuhl hier. Sein Anwalt, Jimmy Morris, ein lokaler Pflichtverteidiger, sass neben ihm. Morris war mein Vorgänger als Bezirksanwalt. Richter im Fall Jernigan war Kenneth Douglas. Er sorgte von diesem Platz aus für den reibungslosen Ablauf der Verhandlung. Hier sagten die Zeugen aus, vor der Jury welche da drüben auf den 12 Stühlen sass. Ich selbst sass auf diesem Stuhl und befragte von hier aus die Zeugen.
VICKY LAYFIELD
Zuerst dachte ich, es sei ein Witz. Als er zur Tür hereinkam, war er kreidebleich. Paul sagte zu mir: "Vicky, ich meine es ernst,ich habe eben jemanden getötet." Paul erzählte, sie seien in Edward Hales Haus eingebrochen. Als sie das Haus verlassen wollten, hörten sie einen Wagen vorfahren. Sie seien durch den Hinterausgang zu ihrem Wagen zurückgeschlichen. Als sie wegfahren wollten, hätte Paul zu seinem Kumpel Roy gesagt: "Ich kann den alten Mann nicht am Leben lassen, er hat sicher das Nummernschild gesehen. Und ich will nicht ins Gefängnis zurück. Paul erzählte, er sei durch die hintere Gittertür reingegangen ...dort habe der alte Mann gestanden. Er sagte: "Was zum Teufel suchst du in meinem Haus?"
PATRICK BATCHELOR
"Der Mann kam aus dem Hinterzimmer und sagte: 'Was zum Teufel wollen Sie?'"
VICKY LAYFIELD
Und Paul schlug zu.
PATRICK BATCHELOR
"Ich habe nichts geantwortet. Ich schlug ihn ins Gesicht, und er stürzte."
VICKY LAYFIELD
Der alte Mann fiel zu Boden.Paul nahm einen gläsernen Aschenbecher und schlug ihm damit auf den Kopf.
PATRICK BATCHELOR
"Ich habe auf ihn eingeschlagen, doch er hat sich weiter gewehrt."
VICKY LAYFIELD
Paul sagte zu Roy, er solle in der Küche ein Fleischermesser holen. Dann versuchte er, den Mann zu erstechen. zweimal ...
PATRICK BATCHELOR
Aber das Messer ... bog sich auf seiner Brust. Die Klinge des Messers verbog sich.
VICKY LAYFIELD
Aber da stand ein Gewehr in der Ecke, Kaliber 14, und es war geladen. Paul nahm es, richtete den Lauf auf die Brust des alten Mannes ... Und ich fragte: "Hat der alte Mann irgendetwas zu dir gesagt, Paul?" "Ja, er sagte: 'Du Hurensohn!'" Und Paul drückte ab und lud dann nochmals nach ...
BOBBY JERNIGAN
: Als ich elf Jahre alt war, machte ich mir ein Tattoo auf die Hand. Meine Mutter drehte durch. Ich bekam Schläge. Aber sie konnte nichts dagegen tun, denn das Tattoo ist ja für immer. Ich machte meinem älteren Bruder eins, das brachte wieder Ärger ... Auch Paul erhielt ein Tattoo, als er etwas älter war und ich kam wieder in Schwierigkeiten. Ich tätowierte ihm die Initialen "P.J." auf den Unterarm. Ich glaube, ich hatte einen schlechten Einfluss auf ihn. Deswegen hätte eher ich an seiner Stelle sein sollen. Alle in der Familie dachten: Wenn irgendetwas schief läuft, dann für Bob. Aber es kam anders.
VICTOR SPITZER
Was Sie hier sehen, ist eine Kombination von zwei Dingen. Diese Teile brauchten wir für die Schneidemaschine im andern Raum. Aber diese Säge hier ist einzigartig. Es ist die Säge, mit der wir den "visible human" in vier Stücke zerlegten. Die Stücke passten wir in solche Kisten. Aus jedem der 50 cm breiten Teile machten wir zuerst einen Eisblock. Den ersten Schnitt machten wir hier durch den Thorax. Dafür brauchten wir eben diese Säge. ,Für die Schnitte brauchten wir die Hilfe des CT-Scanners. Wir wollten exakt durch den Wirbel schneiden, genau in der Mitte des Knochens. Der Schnitt hier unten ist einfach, er geht durch die Muskeln. Aber hier mussten wir durch die Mitte des Knochens, weil sich die Klinge biegt wenn sie auf die Knochenkante trifft. Der CT-Scanner zeigte uns die Mitte an. Wir markierten die Stelle auf der Haut.
DAN LAYFIELD
Es kam in den Nachrichten. Ich zappte hin und her und hörte:Joseph Paul Jernigan. Mir blieb die Luft weg.Ich hörte weiter und begriff langsam, worum es ging. Ich war schockiert. Ich konnte nicht glauben, dass man, wie soll ich sagen , dass man so etwas seinem Körper antun konnte.
VICTOR SPITZER
Wir konstruierten die Säge so dünn wie möglich und hielten sie unter einem Druck von 13,5 Tonnen, um die Klinge ohne Abweichung durch den Körper zu führen. Das hat nicht perfekt funktioniert. Die Klinge bog sich etwas, vor allem beim Übergang von Muskeln zu Knochen oder von Knochen zu Muskeln. Wir werden es daher nicht wiederholen. Wir werden den Körper nicht mehr in vier Stücke schneiden, sondern in einem Durchgang, von Kopf bis Fuss.
DAN LAYFIELD
Es stand in den Zeitungen von Corsicana, wo er gelebt hatte. Je mehr ich las, desto mehr verstand ich, was sie mit ihm gemacht hatten. Je mehr Leute darüber sprachen ...er ist ja im Internet ... man kann ihn runterladen. Es ist unheimlich für mich, meinen Stiefvater im Internet zu sehen. Denn vor kurzem hat er noch für mich gesorgt und jetzt ist er im Internet. Die Leute lesen und lernen über ihn. Man könnte sagen, er ist berühmt geworden
BOBBY JERNIGAN
: Das ist das letzte Bild von ihm. Ein wenig dunkel zwar, aber so wurde es aufgenommen, im Dunkeln. Das hier ist dasselbe Foto ... vergrössert. Meine Tochter hat es für mich gemacht. Ich habe es in meinem Schlafzimmer. Man kann fast nichts erkennen, aber hier ist seine Nummer: Das war "699". Und das sind die Kleider, die er nach der Arbeit in der Wäscherei anhatte Er musste sie auch selber flicken, ich bin aber nicht sicher. Es gab Leute, die fragten mich, was "DIR" bedeutet, "Direktor?" Nein, nicht Direktor", es heisst D/R, Deathrow! Und immer in weiss.
VICTOR SPITZER
Das gehört hierhin und wird so festgemacht. Wenn das Körperstück in dieser Fräse geschnitten wird, sie dreht sich in diese Richtung, so kommt es genau unter der Kamera zum Stillstand. Die Oberfläche des Eisblocks ist mit Frost und mit Partikeln belegt, die zurückbleiben. Diese blasen wir mit Pressluft weg. Dann prüfen wir, ob irgendetwas nicht geschnitten wurde, starke Sehnen der Hände oder Füsse, die manchmal nur umgeknickt wurden, statt weggefräst. Diese schneiden wir dann von Hand, mit dem Skalpell. Um die Oberfläche zu entfrosten, besprühen wir den Eisblock mit Alkohol. Es gab Probleme, die ich lösen musste. Eigentlich sollte ich das nicht erzählen, aber in den 4 Monaten gab es etwa 4 oder 5 Tage, die schrecklich waren, weil das ganze Schnittsystem oder der Computer zusammenbrach. Ich musste Entscheidungen treffen, was mit dem Körperstück zu tun war, denn die rotierende Klinge verursacht einen Sog. Gewisse Dinge in unserem Körper sind beim Schneiden nicht mehr fixiert, zum Beispiel das Gehirn. Wenn man von oben bis hier schneidet, so hält nichts das Gehirn mehr fest, weil der obere Teil ja weg ist. Ich kann Ihnen das im Bild zeigen, da gibt es ein paar Scheiben, die sind einfach weg.
MARK TICER
Paul Jernigan wollte nur von jemandem geliebt werden. Das war alles, was er wollte. Ich glaube, am Ende wusste er das. Deshalb hatte er ja mit dem Trinken angefangen. Er wollte nur geliebt werden. Paul Jernigan war sehr geschickt mit seinen Händen. Wir könnten ihn hier gut gebrauchen, um alles Handwerkliche auszuführen: Bilder aufzuhängen, Dinge zu befestigen, Akten auszuliefern ... Der Entscheid, seinen Körper der Wissenschaft zur Verfügung zu stelle war ein Versuch zurückzugeben, was er genommen hatte. Was kann ein Mann im Gefängnis geben? Was hat er für Möglichkeiten? Nicht viele! Paul Jernigan gab seinen Körper der Wissenschaft und wurde zum "invisible man".
VICTOR SPITZER
Ich verstehe nicht, warum die Fräse nicht geölt ist. Der Rost stammt vom Kühlsystem, von der Feuchtigkeit. Wir müssen etwas dagegen tun. Man sollte nicht aufhören zu schneiden. Nur weiterschneiden, dann rostet es nicht So wäre das Problem gelöst.
MARK TICER
Wir reichten die Habeas-Corpus-Akte beim Bundesgericht ein. Doch wir verloren diese Berufung. Dann zogen wir den Fall weiter vor das Oberste Gericht der USA. Gleichzeitig attackierten wir das Begnadigungsverfahren in Texas. Denn wenn es dieses System schon gibt sollte es auch fair angewendet werden. Ich war ein ewiger Optimist war ich in Austin und versuchte vergebens eine Begnadigung zu erwirken. Ich vertraute mehr darauf, durch die Berufung einen Aufschub zu kriegen. Aber mein Herz rutschte in die Hose, als wir keine Unterstützung erhielten. Der Entscheid fiel gegen uns. Ich wusste, was kommen würde. Ich rief Paul an und fragte ihn, ob ich nach Huntsville kommen solle. Doch er sagte: "Nein, geh nach Hause, einfach nach Hause ..."
VICTOR SPITZER
Das ist prächtig! Den richtigen Körper für den "visible human" zu finden, war schwierig, weil wir normalerweise nur ältere Körper erhalten. Nichts gegen ältere Körper, aber deren innere Strukturen sind anders und daher schwieriger zu schneiden. Wir wollten jemanden mit langen Muskeln. gut entwickelten Körper. Aber das ist schwierig. Junge Menschen vermachen ihren Körper in der Regel nicht der Wissenschaft. Vielleicht Organe, aber nicht den ganzen Körper. Das war der erste Schlag gegen uns. Wir suchten einen Körper ohne Traumata und grössere chirurgische Eingriffe. Dies schränkt die Auswahl erheblich ein. Wir suchten keine bestimmte Rasse, die Rasse war mir egal. Aber eine Rasse, die nicht dem Durchschnitt entspricht, hätten wir abgelehnt. Wir suchten jemanden, der kleiner war als 1.80 m. Aber wie Sie sehen, nur wegen unseres Schneidesystems, das in der Länge limitiert ist. Wir können jemanden in 4 Stücke zerlegen aber in 5 ... das wollen wir vermeiden. Wir suchten jemanden, der weniger als 35 cm dick ist, vom Bauch zum Rücken. Ein rein physikalisches Kriterium. Es entsprach den Massen unseres Schneidesystems. Man kann tatsächlich das Licht hier in Frage stellen. Es wurde nur für die 35mm-Kamera benutzt. Das war ein komplett anderes Licht. Die Kamera war nicht von Anfang an da, erst später.
MICHAEL ACKERMANN
Also die Filmkamera?
VICTOR SPITZER
Ja, die 35mm-Kamera, deshalb war das Licht vermutlich ganz anders. Das hier sieht eher so aus wie die Bilder im Internet.
MICHAEL ACKERMANN
Soweit wir die Geschichte verstehen, hatte der Kaplan des Gefängnisses in Texas die Idee, dass die zum Tode Verurteilten, die zweifellos schlechte Menschen sind... dass auch sie ein Recht auf Erlösung haben sollten. Er ging zu den Verurteilten, die Schreckliches in ihrem Leben verbrochen hatten und vermutlich in die Hölle kämen, und schlug ihnen vor, ein letztes positives Zeichen zu setzen, dass sie retten könnte. Sie sollten ihre Körper der Wissenschaft vermachen, als eine letzte Geste, die ihnen Erlösung bringen würde. Und tatsächlich unterschrieben einige Gefangene die Urkunde.
CARROLL PICKETT
Ich konnte danach nie schlafen gehen. Ich betete, und erst nach einer Weile ging ich dann duschen. In diesem Zusammenhang gibt es etwas über Paul zu erzählen. Er rauchte so viel. Als ich nach Hause kam, stanken meine Kleider nach Rauch. Auch seine Hände waren verraucht. Ich kam an diesem Morgen um halb vier nach Hause. Da wir uns nach der Kommunion zum Gebet die Hand gegeben hatten, rochen auch meine Hände nach Rauch. Und ich wusste nicht, ob ich sie waschen sollte, da wir ein gutes Verhältnis hatten. Ich übte jeweils vorher mit ihnen, damit ich wusste, was sie als Letztes sagen würden. Es wäre nicht richtig, wenn einer nicht seine 4 oder 5 Sätze sprechen dürfte und vor lauter Hektik nur noch 3 sagte. Aber Paul hatte mir schon vorher mitgeteilt, dass er nichts sagen würde, was ich dem Wärter meldete. Und so fuhr dieser einfach fort. Paul schaute zu seinem Bruder, dann legte er seinen Kopf zurück. Der Aufseher gab das vereinbarte Zeichen. Er nahm die Brille ab. Und das Natriumpentobarbital schickte ihn in den Schlaf. Sie setzten noch ein Medikament hinzu, und noch ein Drittes, das sein Herz zum Stillstand brachte.
VICTOR SPITZER
Hingerichtete haben alle tolle Körper. Wenn du nicht gesund bist, wirst du nicht hingerichtet. Sie machen dich erst gesund, sie kümmern sich um dich, bevor sie dich töten. Kranke richten sie nicht hin. Das heisst nicht, dass sie Gefangene mit Traumata und Operationen verschonen, aber im Allgemeinen sind sie gesund. Statistisch gesehen sind es gute Körper, die wir nach Hinrichtungen vorfinden. Wir fragten niemanden nach seinem Körper. Niemand vermachte seine Leiche uns. Wir erhielten sie vom Anatomischen Institut in Texas, nicht aus dem Todestrakt. Der Tod ist für jeden ein Problem, wie wir damit umgehen. Wir nehmen ja auch Kinder und Föten. Politisch gesehen sind in den USA Todestrakte und Abtreibung, beide führen ja zum Tod, verdammt heiße Themen. Aber ich sehe kein Problem darin, die Überreste von jemandem zu verwenden, der schlecht war.
BOBBY JERNIGAN
: Sein letzter Tag begann mit unserem Besuch. Wir baten um ein Foto von ihm. Als wir es erhielten, war ich sehr erstaunt. Es war ein kleines Polaroidfoto, Paul lächelte darauf. Ich weiss nicht, ob ich an meinem letzten Tag noch lächeln könnte, wenn ich wüsste, dass ich sterbe. Wir unterhielten uns etwa zwei Stunden. Abwechselnd gingen Leute im Gefängnis ein und aus, damit sich jedermann von ihm verabschieden konnte. Ich wusste, dass ich ihn später am Abend nochmals sehen würde im Hinrichtungsraum. Wir sagten uns zum letzten Mal "Lebwohl" Dann brachten sie Paul ... rüber ins Todeshaus.
CARROLL PICKETT
Ich erinnere mich, wie er reinkam, gefesselt wie alle, mit Ketten um seine Fussgelenke, einem schweren Gurt und einer Eisenkugel, die ihn daran hinderte, sich schnell zu bewegen. Er kam geradewegs auf mich zu. Er nickte mit dem Kopf und sprach mich an. Nicht, dass ich ihn schon länger kannte. Er war die 63. Person, bei deren Hinrichtung ich zugegen war.
BOBBY JERNIGAN
: Es gab keine Berührung. Man konnte Gefühle nur zeigen, indem man die Hand ans Glas drückte, um "Hallo" oder "Lebewohl" zu sagen. Näher als so konnten wir uns nicht sein. Das hat meine Mom sehr verletzt. Es war hart. Ich kann nicht verstehen, warum sie uns nicht erlaubten, ihn nochmals zu berühren, bevor er hingerichtet wurde an seinem letzten Tag, ihn zu umarmen und "Adieu" zu sagen.
CARROLL PICKETT
Als ich ihm um 22 Uhr alle Details zum Ablauf erklärte, stellte er keine einzige Frage. Er meinte nur: "Ich vertraue Ihnen." Darauf sagte ich: “Großartig! Ich weiß das zu schätzen." Er fuhr fort: "Wissen Sie, ich habe kaum Freunde im Gefängnis. Darf ich Sie um etwas bitten? Kann ich mit den Wärtern sprechen?" Je peux parler aux gardiens?" Dabei fing er an zu lachen. Ich sagte: "Selbstverständlich!" Er wollte damit aber noch warten. Um 3 Minuten vor Mitternacht sagte ich: Es ist bald soweit." Da sagte er: "Dann möchte ich jetzt mit den Wärtern sprechen." Ich rief sie herbei, beide waren Offiziere, gute Kerle, und er sagte zu ihnen: Vielleicht überrascht Sie das, aber ich möchte Ihnen die Hand schütteln und Ihnen danken, dass Sie so nett zu mir waren." Er bestellte ein üppiges Mahl, wie das alle Verurteilten tun.
BOBBY JERNIGAN
: Ich erinnere mich nicht, was es war Es war mir egal, ob Cheeseburger oder Pommes frites oder Kuchen oder was auch immer. Das war das Letzte, woran ich dachte.
CARROLL PICKETT
Sie brachten ihm eine Riesenportion. Und er lachte laut heraus.
BOBBY JERNIGAN
: Ich dachte nur daran, dass ich den Bruder noch mal sehen würde
CARROLL PICKETT
Er sagte: "All die Jahre im Gefängnis habe ich nie genug zu essen gehabt. Und jetzt, wo ich genug haben kann, ist mir die Lust vergangen." Dabei lachte er. Das sei doch nicht fair.
BOBBY JERNIGAN
: Ich sagte ihm, dass ich dabei sein wollte, weil ...ich fühlte, dass er jemanden
CARROLL PICKETT
Um Viertel vor elf rasierte er sich noch. Niemand hat das je getan. Aber er wollte besser aussehen.
BOBBY JERNIGAN
: Ich war dankbar, dass ich dabei sein konnte.
MARK TICER
Ich telefonierte mit ihm bis wenige Minuten, bevor sie ihn in die Todeskammer brachten. Er war noch mit dem Kaplan zusammen. Ich selbst hatte die Fassung verloren, ich heulte wie ein Schlosshund. Doch er sagte mir, es gehe ihm gut. Seltsam, wie sich die Rollen vertauschen Er tröstete mich, obschon er es war, der sterben würde. Wir sprachen darüber ...welche Dinge er noch machen würde, was er tun würde ... als freier Mann, wohin er ginge, was er täte ...
CARROLL PICKETT
Es waren nur drei Personen in der Todeskammer: der Wärter, der Häftling auf der Pritsche und ich. Ich stand etwa 15 cm neben Pauls rechtem Knie. Manchmal bitten sie noch um etwas: Würden Sie bitte mein Bein berühren ... meinen Knöchel?" Sie wollen einfach Körperkontakt oder fragen mich sonst etwas, bevor sie die Zeugen hereinführen. Aber Paul wollte, dass ich seine rechte Hand halte. Normalerweise machen wir das nicht. Die Wärter erlauben es gar nicht. Aber sie hatten solche Mühe, die Nadel in seinen linken Arm zu kriegen. Das ist das einzig Schmerzhafte bei der Todesspritze, der Nadelstich. Sie versuchten es mindestens 8x bei der Vene am Arm ... und noch 3x auf seinem Handrücken, und jeder Stich tut höllisch weh. Ich sagte ihm vorher, dass dies der einzige Schmerz sei ... Dann steckten sie die Nadel in seinen rechten Arm. Es funktionierte. Genau in diesem Moment bat er mich, seine Hand zu halten. Das waren seine letzten Worte.
BOBBY JERNIGAN
: Ich betrat den Nebenraum. Paul lag festgeschnallt auf der Pritsche. Schläuche kamen aus ihm raus ... Er schaute zu mir, ich schaute zu ihm ... Es ist schwer...Wir nickten einander zu ... Dann richtete er seinen Blick nach oben und schaute in den Himmel. Aber da war kein Himmel, nur die Decke...Ich trat an die Scheibe. Näher als bis zu diesem Glas konnte ich ihm nicht sein. Dann fragten sie ihn, ob er noch etwas sagen wollte. Aber sie hatten schon darüber gesprochen Er zog es vor, nichts mehr zu sagen. So fingen sie an, diese Flüssigkeiten in ihn reinzupumpen. Ich konnte sehen, wie das Blut in seinem Arm ... zurückgesaugt wurde, wie es aufschäumte. Man sah es im Schlauch aufsteigen, bevor es wieder nach unten gepresst wurde. Paul hustete ein paar Mal. Dann stiess er seinen letzten Atem aus. Und es war vorbei ... Das war am 5. August 1993, um zwölf Uhr einunddreissig.
PATRICK BATCHELOR
Es war der erste Prozess, seit gut über 50 Jahren, bei dem die Todesstrafe in Navarra County verhängt wurde. Soweit man sich überhaupt erinnern kann. Seither sind allerdings eine ganze Reihe von Todesstrafen verhängt worden. Im Moment haben wir vier Personen im Todestrakt, und einer ist ebenso wie Paul Jernigan hingerichtet worden. Es gibt nun mal Verbrecher. Das sind einfach schlechte Menschen. Und Jernigan war besonders schlecht. Ich allein entscheide, wie die Anklage lautet. Einerseits legen die Fakten nahe, ob es sich um einen Totschlag handelt oder ob zusätzliche Taten vorliegen, die eine Anklage auf Mord erlauben. Ob ich auf Totschlag oder Mord klage, liegt allein in meinem Ermessen. Das Gesetz gibt mir diesen Spielraum, wenn genügend Fakten gegeben sind.
BOBBY JERNIGAN
: Ich erinnere mich ... als wir im Leichenschauhaus ... nein, in der Leichenhalle waren, wo Paul lag: Wir hielten ihn. Da kam jemand auf uns zu und sagte: "Es ist Zeit zu gehen. Wir müssen ihn wegbringen, solange er noch frisch ist." Vermutlich, damit die Organe nicht anfingen, sich zu zersetzen. So blieben uns nur wenige Minuten. Das wars. Er sagte nur: "Okay, ich gebe meinen Körper der Wissenschaft." Soweit ich mich erinnere, wusste er nicht, was sie mit ihm anstellen würden. Es war einfach eine Organspende. Ich dachte, dass sie einzelne Körperteile für jemand anderen verwendeten. Paul wusste es auch nicht ...Wenn seine Seele mal weg war, blieb ja nur der Körper ... Es war egal, was sie damit machten.
VICTOR SPITZER
Wir bewegen uns durch den Körper abwärts, millimeterweise. Wir stossen in die Stirnbeinhöhlen vor, die mit blauer Gelatine gefüllt sind. Dann hinunter zu den Seitenventrikeln, wo sich die Rückenmarkflüssigkeit bildet und weiter zu den Sehnerven in der Schicht Nr. 107, also 107 mm ab Schädeldecke. Da können wir sehr schön sehen, wie sich die Sehnerven kreuzen. Wir erkennen die grossen Schläfenmuskeln auf beiden Seiten. Nun gelangen wir in die Siebbeinhöhle und in die Keilbeinhöhle hier in der Mitte. Diese zwei Muskeln sieht man etwa bei Fotomodellen. Wenn Sie den Kopf zur Seite drehen, zeichnet sich der grosse Halsmuskel ab, nicht bei mir ... aber an dieser Stelle. Er ist beidseits hier befestigt. Er zeichnet sich deutlich ab, wenn eine schlanke Person den Kopf dreht. Wir bewegen uns jetzt durch die Lungen. Man sieht gut, wie jede einzelne Rippe im Brustbein endet. Die grossen Brustmuskeln vorne am Körper hier oben am Bildschirm. Wir bewegen uns durch den Oberarmknochen. Wir befinden uns jetzt genau über dem Herzen. Hier ist die Luftröhre und da die Hauptschlagader. Nun sehen wir die grossen Blutgefässe gleich oberhalb des Herzens. Wenn wir weiter runterfahren, erkennen wir die Strukturen im Herzen. Wir sehen einen Papilarmuskel, der die Herzklappe öffnet, damit das Blut aus dem Herzen strömt. Wir wollen das noch etwas heranholen: Hier nochmals derselbe Muskel, den eine sehr dünne Sehne mit der Klappe verbindet, welche die linke Herzkammer nach oben hin zum Blutkreislauf öffnet. Da wieder die grosse linke Kammer, die das Blut durch den Körper pumpt und die rechte mit dünneren Wänden und dem Ventil, welche das Blut reinlässt. Das hier ist die Herzvorkammer Wir sehen Fettablagerungen rund um den Herzbeutel, dahinter die Speiseröhre und ganz zuunterst die Wirbelkörper.
PATRICK BATCHELOR
Ob "Todesstrafe" oder "lebenslänglich" entscheiden nicht die Geschworenen. Es werden ihnen nur zwei Fragen gestellt. Erstens: "Hat der Angeklagte das Verbrechen vorsätzlich begangen?" Falls die Jury einstimmig bejaht, lautet die zweite Frage: "Muss man davon ausgehen, dass er in Zukunft gefährliche Straftaten begehen wird?" Stimmen die Geschworenen auch dem zu, muss der Richterdie Todesstrafe aussprechen. Verneinen die Geschworenen eine der beiden Fragen,lautet das Urteil: lebenslänglich. Manchmal holen wir psychiatrische Gutachten ein. In diesem Fall taten wir es nicht. Oder wir laden Zeugen vor, Leute, die den Täter kennen, seinen Ruf oder so ... In diesem Fall waren es vor allem seine früheren Verbrechen, die wir den Geschworenen vorlegten, damit sie entscheiden konnten, ob er künftig für die Gesellschaft eine Gefahr darstelle. Ich glaube nicht, dass ich zu jenem Zeitpunkt wollte, dass er zum Tode verurteilt würde. Ich war mir sicher, dass er ein schlechter Mensch war, der verdiente, was er bekam. Aber ich erinnere mich nicht an eine bewusste Absicht im Sinne von: "Ich muss dafür sorgen, dass er zum Tode verurteilt wird".Für mich war es ein Mordfall wie jeder andere. Wir erreichten einen Schuldspruch, und die Jury beantwortete die Fragen so, wie es die Beweise erforderten. Sie hatte keine andere Wahl. So nahm ich mir auch kaum Zeit, über den Fall nachzudenken.
JODY TULLOS
Bevor ich diesen Fall übernahm, glaubte ich an die Todesstrafe. Nachher nicht mehr. Ein Prozess soll der Wahrheit dienen. Alle Zeugen und Beweismittel müssen präsentiert werden nach sorgfältig definierten Regeln damit die Jury die Wahrheit finden kann. Sonst kann sie diese nicht ergründen, wie es hier der Fall war. Selbstverständlich wollte ich einen Sachverständigen zuziehen, der sich auskennt mit Alkohol und Drogen Ich hätte Paul zu seiner Vorgeschichte befragen wollen, seine Familie, vielleicht auch ehemalige Mitschüler. Ich wünschte, dass ein Psychologe mit ihm gesprochen und ihn auch getestet hätte, um herauszufinden, ob es mildernde Umstände gab, die man der Jury hätte unterbreiten können. Bei einem fairen Prozess müssen beide Seiten kompetent vertreten sein, Ankläger wie Verteidiger. Alle Beweismittel müssen berücksichtigt werden, damit die Wahrheit ans Licht kommt. Das ist in diesem Fall nicht geschehen. Die beiden Seiten waren nicht ebenbürtig. Pat und sein Team waren gut vorbereitet und organisiert. Sie verfügten über Polizeibeamte und andere Helfer. Wir hingegen nicht. Neben mir sass ein Anwalt, dem alles ziemlich egal schien, und hier eine ganz junge Assistentin, die überhaupt nicht verstand, um was es ging. Das ist nicht fair. Das ist keine Suche nach der Wahrheit.
MARK TICER
Bei einem Mordprozess geht es nicht um "schuldig" oder "unschuldig". In Pauls Fall lag hier nicht viel drin Es ging allein darum, ihn vor der Todeszelle zu bewahren. Der kritische Aspekt im Verlauf eines Prozesses ist die Strafzumessung, die Frage: Warum soll jemand hingerichtet werden? Wie sind seine Familienverhältnisse? Wer sind seine Freunde? Wie erklärt sich die Tat? Gab es zuvor schon etwas? Ist es untypisch für seinen Charakter? Litt er unter psychischen Problemen? Alles, was an mildernden Umständen gegen die Todesstrafe spricht. Diese Fragen wurden nicht geklärt. Sie handelten einfach aus dem hohlen Bauch heraus.
JODY TULLOS
Ich kam frisch vom Studium und wusste nicht, was tun.
MARK TICER
Einer unerfahrenen Person darf man keinen Mordfall anvertrauen, schon gar nicht als verantwortlichem Co-Verteidiger. Das ist einfach zu viel.
JODY TULLOS
Ich verliess mich auf Jimmy Morris, dass er mich anleitete. Er musste doch wissen, worum es ging. Er hatte viel Erfahrung, als Ankläger wie auch als Verteidiger. Ich verliess mich auf ihn und tat das, was von mir erwartet wurde. Erst als der Prozess in Gang war, merkte ich, dass der Fall nicht richtig vorbereitet war.
MARK TICER
Der Verteidiger sagte: "Nun, Süsse, das ist dein Fall."
JODY TULLOS
"Es ist dein Fall, mein Kind."
MARK TICER
Dann setzte er sich hin.
JODY TULLOS
Ich befand mich in der Situation, fast alle Zeugen befragen zu müssen, ohne zu wissen, was sie sagen würden. Ich war darauf nicht vorbereitet.
MARK TICER
Sie fragten sich: "Oje ... Wen sollen wir als Zeugen aufrufen? Wir könnten doch Pauls Tante holen. Oder jemand anders ... Jesses!" In diesem Stil ging es weiter: "Was wissen Sie über Paul?" Sie wussten rein gar nichts von ihm, um die richtigen Fragen zu stellen. Sie kannten sein Militärzeugnis nicht, sprachen weder mit seinen Freunden noch mit seiner Schwester. Sie sagten der Familie nicht, dass sie vor Gericht aussagen sollte.
JODY TULLOS
Für einen Mordfall ging es schnell. Es ging unheimlich schnell ...
MARK TICER
Im Innersten wussten sie, dass er zum Tode verurteilt wurde, weil sie sich zu wenig vorbereitet und vieles unterlassen hatten was man hätte tun müssen.
VICTOR SPITZER
Ich wüsste gerne mehr über ihn. Es hätte mich sehr gefreut, wirklich, wenn wir Röntgenbilder hätten von vorher, als er noch lebte. Ich wollte aber weder ihn noch seine Familie belasten. Wenn es nur einen Weg gäbe ... Ich hätte sehr gerne gewusst, wie viel er trainierte und vieles mehr. Warum er so aussah, wie er aussah. Ich hätte gerne ein Bild von ihm gehabt, vom Tag, als er geboren wurde, nein, vorher ... von ihm als Fötus! Ich wünschte, ich könnte jemanden sein ganzes Leben lang beobachten. Hier ist es zu spät. Aber einen einzelnen Menschen lebenslang zu studieren, wäre faszinierend. Aber ich habe auch Bedenken: Ich möchte jedenfalls nicht, dass jemand mich erforscht. Man verletzt die Privatsphäre. Und doch möchte ich solche Informationen aber wie komme ich an sie heran,ohne jemanden zu verletzen. Die Tür schliesst nicht.
PATRICK BATCHELOR
Er hatte immer wieder Chancen. Schon 1974, als er mit Einbrüchen anfing setzte man ihn auf Bewährung. Man gab ihm diese Chance. Das nächste Mal kam er für kurze Zeit ins Gefängnis, fünf Jahre, glaube ich. Als er rauskam, brach er wieder ein. Dafür kam er zehn Jahre hinter Gitter, schon etwas länger. Kaum draussen, ging es weiter. Und so eskalierte das bis zu diesem heimtückischen Mord, und er hätte sicher so weiter gemacht. Keine noch so lange Haft hätte ihn davon abhalten können. Also kam nur die Todesstrafe in Frage, damit die Gesellschaft vor ihm sicher war und er nicht noch jemanden umbrachte.
BOBBY JERNIGAN
: Er war zweimal wegen Einbruchs verurteilt worden. So wie ich es verstehe, war das der Grund, warum er diesen Mord beging wegen der neuen 3-Stufen-Regel: Beim 3. Vergehen gibts lebenslänglich. Er dachte wohl, er käme so darum herum und müsse nicht für immer ins Gefängnis. Aber es kam anders.
VICKY LAYFIELD
Bis an mein Lebensende werde ich mich schuldig fühlen. Ich wünschte,ich hätte ihm helfen könnenich hätte merken sollen, dass er ein ernsthaftes Problem hatte. Ich war jung und hätte nie gedacht, dass es so ernsthaft war. Es gab Warnsignale, aber ich sah sie nicht. Sie hätten ihn kennen sollen ... Es kam aus heiterem Himmel. Niemand hätte gedacht, dass er je zu so etwas fähig sei.
DAN LAYFIELD
Er war ein guter Mensch, er schnappte eines Tages einfach über. Wir wissen nicht, warum. Zuvor ging er noch zur Kirche. Das war ein Schock, dass er rausging und jemanden umbrachte. Einfach so! Nicht wahr?
VICKY LAYFIELD
So ist es!
DAN LAYFIELD
Wir reden nie darüber.Meine Schwester erinnert sich nicht. Ich schon, weil ich sein Liebling war. Für mich war er mein Vater. Er war immer um mich herum. Mein leiblicher Vater nicht. Aber Paul war da, wenn ich ihn brauchte. Er bastelte für mich Ohrringe, Schachteln und Weihnachtskarten. Er wollte meine Mutter im Gefängnis nicht sehen. Er war sauer auf sie, weil sie ihn angezeigt hatte. Obwohl er verstand: Sie tats aus Furcht.
VICKY LAYFIELD
Ich wuchs auf zwischen "rauchenden Colts und "Perry Mason". Ich wusste nicht, dass es auf der Welt wirklich Menschen gibt, die Verbrechen begehen. Aber es gibt sie tatsächlich. Mein Vater schützte uns irgendwie davor. Verbrechen gab es nur im Fernsehen. Menschen, die man kannte, taten so was nicht. Ich war total schockiert.
JODY TULLOS
Es gab ein Geständnis in diesem Fall. Die Umstände waren allerdings seltsam, und darauf stützten wir unsere Berufung: Auf die Tatsache, dass die Person, die Paul Jernigan zuerst belastete ... seine eigene Frau war.
VICKY LAYFIELD
Ich habe ihn nicht angezeigt, damit er hingerichtet würde. Er musste für das bestraft werden, was er getan hatte und durfte nicht frei herumlaufen.
JODY TULLOS
Als sie ihn ins Gefängnis brachten, hielten sie ihn mehrere Stunden fest, ohne Rechtsbeistand, ohne jede Unterstützung _ ausser dem Besuch seiner Frau. Dann nahmen sie ihm das Geständnis ab. Seine Frau war die Person, die ihn ins Gefängnis brachte, und die Einzige, die er sehen durfte. Sie verweigerten ihm einen Anwalt. Ich behaupte nicht, dass sein Geständnis erzwungen wurde, aber die Umstände geben doch zu denken. sie hätten untersucht werden müssen.
VICKY LAYFIELD
Paul unterschrieb ein Geständnis. Als Gegenleistung erbat er sich vom Sheriff, dass ich über Nacht bei ihm bleiben könne. Als der Prozess durch war, fragte ich den Sheriff auf der Treppe: "Okay, wann bekomme ich jetzt die Nacht mit meinem Ehemann?" Er antwortete: "Vicky, vergiss es, das war doch nur, damit er gestand." Worauf ich sagte: "Nein, das war die Abmachung, und du wirst sie einhalten!"
PATRICK BATCHELOR
Kein Anwalt in diesem Staat würde ihm je raten zu gestehen. Das ist undenkbar. Er würde ihm sagen: "Bist du verrückt? Du unterschreibst die Erklärung nicht, oder ich bin nicht dein Anwalt!" So läuft es in der Welt. Wäre also ein Anwalt dabei gewesen, hätte er nie unterschrieben. Kein Zweifel!
TV-MODERATOR
Wir sind wieder da: Unser nächster Guiness Rekord kommt aus der Sparte "Spitzenmedizin". In unserer heutigen Sendung schneidet Dr. Victor Spitzer von der Universität Colorado in seinem Labor Hunderte von Pfund Menschenfleisch und Knochen in Scheiben Dr. Spitzers Ziel ist, der Welt erstmals ein Bild des menschlichen Körpers zu zeigen, und zwar von innen. Ich möchte Sie warnen: Das Video, das Sie gleich sehen, ist äußerst realistisch.
TV-ERZÄHLER
Dr. Spitzer und seine Kollegen zersägen diese menschliche Leiche zunächst in vier 50 cm grosse Blöcke und schneiden sie dann in genau 1767 papierdünne Scheiben. Wer ist dieser Mensch, der als Erster auf diese Weise zerlegt wird? Seine Identität könnte Sie schockieren: Es ist der als Serienmörder verurteilte Joseph Paul Jernigan. Als er lebte, war er gottesfürchtig und ein Schädling der Gesellschaft. Es scheint, als musste er sterben, um seine wahre Berufung zu finden.
BOBBY JERNIGAN
: Das macht mich wütend. Wie kommen sie zu dieser Behauptung? Sie haben keinen Grund dazu. Paul war vielleicht ein Mörder, aber das ist doch nicht das gleiche: Massenmörder und Mörder.
VICTOR SPITZER
Den Medien gehört die Welt, und sie sind voller Fehler! Ob Serienmörder oder nicht spielt doch keine Rolle. Ist es besser, wenn er kein Massenmörder ist?
BOBBY JERNIGAN
: Sicher hat er jemanden umgebracht, aber doch nicht drei oder vier Familien Er schoss nicht blindlings in die Meng So stelle ich mir einen Serienmörder vor Vielleicht belehrt mich einer, dass ich im falschen Film bin. Michael Ackermann: Das ist großartig!
VICTOR SPITZER
Da kommt dann die Schneidemaschine hin
MICHAEL ACKERMANN
Fantastisch! Wie Bilder in der Anatomiestunde.
VICTOR SPITZER
Wenn Sie die Tür öffnen, gibt es keinen Temperaturunterschied. Dort entsteht ein weiterer Kühlraum als Ausgleichskammer.
MICHAEL ACKERMANN
Wie hoch ist die Decke? 2.30 m?
VICTOR SPITZER
Ich zeige Ihnen den anderen Kühlraum. Wir haben da einen Deckel angebracht, am einzigen Ort, wo wir Höhe brauchten Wir kamen so auf 3.30 m. Das schaffen wir hier auch. Dies ist der Kühlraum, wir halten ihn auf -50 C und den andern auf –15 C. Das gibt die besten Voraussetzungen zum Fräsen der Körperstücke: Die Schnittfläche bleibt eiskalt.
MICHAEL ACKERMANN
Das ist absolut fantastisch! Das erinnert mich an ein Labyrinth.
VICTOR SPITZER
Das war auch in der anderen Anlage so. Wir wollen den ganzen Menschen virtuell simulieren. Wir wollen ihn wirklich atmen sehen, sein Herz schlagen, sein Blut fliessen, wir wollen ihn gehen sehen. Damit können wir sehr effizient unterrichten. Wir können auch Forschung betreiben. Lassen wir ihn anatomisch richtig gehen können wir jede Abweichung untersuchen. Wenn er sich perfekt bewegt, wenn seine Muskeln optimal arbeiten, dann können wir eingreifen und einen Nerv virtuell durchschneiden, um herauszufinden, wie das seinen Gang verändert. Man kann das ganz verschieden anwenden. Den perfekten Baseballwurf analysieren, den idealen Fußballkick oder den Rugbyspieler, um eine maximale Muskelleistung zu erzielen. Wir erhalten bessere Athleten, wenn wir sie analysieren. Wir wollen Bewegungsmuster analysieren, so wie man das bei Olympiasiegern macht Diverse Regierungen sind beteiligt: Colorado, Texas und die Bundesregierung. Und zwar jede autonom. Kontrolliert wird das Ganze von Texas, bis sie die Leiche uns übergeben. Dann untersteht alles Colorado. Die Bundesregierung war besorgt, dass nicht bekannt wurde, wer die Leiche war, und dass die Angehörigen nicht um Einverständnis gebeten wurden. Texas behandelte dies wie Colorado: Nach der Organspende muss keine Familie befragt werden, ob es in Ordnung ist, dass der Körper verwendet wird. Es gab kaum negative Reaktionen. Wir erwarteten massiven Protest. Aber der blieb praktisch aus. Für die meisten ists ein tolles Projekt. Und wenn sie nach der Familie fragen, ich hörte, selbst seine Angehörigen ich habe nie mit ihnen gesprochen , auch sie sehen darin eine gute Sache. Ich kann mir aber vorstellen, dass es für sie schmerzvoll ist, seinen Körper zu sehen, immer und immer wieder.
TV-ERZÄHLER
Hier ist "Strange Universe", das phänomenale Nachrichtenmagazin. Emmettt Miller: Ich bin Emmett Miller. Heute machen wir eine erstaunliche Reise Sie begann im Todestrakt und endete im Cyberspace: Die Geschichte des Killers Paul Jernigan, der auf die Todesspritze wartete und der Wissenschaft seinen Körper spendete. Texas wollte ihn tot sehen, die Wissenschaft garantierte ihm ein ewiges Leben.
TV-ERZÄHLER
Man hielt ihn für des Lebens unwürdig. Doch der Wissenschaft war er zu wertvoll, um ihn einfach sterben zu lassen. So bekam jeder, was er wollte. Selbst der Mann, um den es hier geht: der Mörder Joseph Paul Jernigan. Er wurde zwar hingerichtet, überlebte aber dennoch seinen Tod. Das bis dahin Unmögliche erfüllte sich der Traum von der Unsterblichkeit! Kommentare: Paul Jernigan? Ich kenne ihn. Er hatte eine Schwester. Kannten Sie ihn? Ja, ich fragte mal .. Ist es der, der hingerichtet wurde? Was hat er gemacht? Ich sage nicht, dass die Todesstrafe in jedem Fall angewendet werden sollte, Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ich glaube aber, dass wir sie brauchen. Für mich ist es in Ordnung so: Auge um Auge ... Wenn Sie jemanden umbringen, müssen Sie auch sterben. Auch wenn Sie sich bessern, der Tote wird nicht wieder lebendig. Ich bin dafür, aber nur bei einem ... eiskalt geplanten Mord. Immer mehr Staaten sind dafür. Wenigstens eine Berufung sollte es geben aber bei der Unmenge, die wir haben, müssen die bis 12 Jahre in der Todeszelle warten. Das ist einfach zu lang. Die Todeskandidaten haben eine lange Vorgeschichte. Wenn wir früher etwas für sie täten, käme es gar nie so weit. Ein großes Problem in den USA ist, dass Mütter und Väter zu wenig zu Hause sind. Die ersten Jahre entscheiden. Da entwickeln sich alle Gehirnzentren, auch der Bereich des Emotionalen. Wenn es Kindern an Zuwendung fehlt schon ganz am Anfang wirft sie das in ihrer Entwicklung weit zurück ... weit zurück ...
BOBBY JERNIGAN
: Sie wollten von mir wissen, was ich mit seiner Erziehung zu tun hatte Ich war nicht sein Vater, obwohl viele in der Familie das dachten. Aber wir hatten damals keinen Vater, und ich war der Stärkste in der Familie. Ich ließ mir von niemandem was gefallen Meine Geschwister schauten zu mir auf. Und Paul hörte auf mich. Wäre ich damals nicht zum Militär gegangen, wäre das alles nie passiert.
VICKY LAYFIELD
Paul rauchte ab und zu Marihuana Auch am Tag, als er den Mord beging, hatte er Marihuana geraucht und irgend ein Zeugs getrunken, "Red Liqueur Baby Bull" oder so ... Aber denken Sie nicht, ich würde behaupten, nur weil er Marihuana rauchte und diesen Likör trank, habe er die Tat begangen, nein. Ich bin sogar ziemlich sicher, dass das nicht der Grund war. Etwas anderes stimmte nicht mit ihm ..
MARK TICER
Schauen Sie, dieser Mann ... sein Verhalten ist ein einziger Hilferuf Man muss kein Genie sein um zu erkennen, dass Menschen, die Raubüberfälle und Ähnliches begehen das Geld oft nur für ihre Sucht benötigen Paul konsumierte Marihuana und Alkohol und vielleicht auch noch anderes. Aber er war kein notorischer Einbrecher. Er klaute, und das war natürlich falsch. Doch er war kein ausgekochter Ganove, der über Mauern klettert, Juwelen stiehlt Er war ein kleiner Dieb, der versuchte, Geld aufzutreiben für seine Alkohol- und Drogensucht.
VICKY LAYFIELD
Wissen Sie, was ein Kleptomane ist? Einer, der nicht anders kann als stehlen Wir brauchten das Geld ja gar nicht, wir hatten ein schönes Haus. Ich hatte Arbeit, er auch. Nein, wir brauchten es wirklich nicht. Es war, als könne er nicht aufhören ... Okay, lassen Sie mich noch mal nachdenken Ich erzählte Ihnen schon mal, wie er aufgewachsen ist, wie er Schuhe putzte in Chicago, Illinois, als Kind, und dass ihm seine Mutter jeweils alles Geld wegnahm, das er verdiente. Mir schien, dass er sich als Erwachsener noch aufregte, und vielleicht bestahl er auch deshalb andere Leute.
MARK TICER
Suchen wir die Ursache nicht immer nur in der Kindheit, bei den bösen Müttern oder Vätern. Man kann auf die schiefe Bahn geraten bei guten oder schlechten Eltern. Ich glaube, seine Kindheit hat ihn in dem Sinne beeinflusst, dass er unsicher war und Angst hatte. Drogenkonsum basiert oft auf Unsicherheit und Lebensangst. Vielleicht fehlte ihm die Unterstützung, die er gebraucht hätte. Vielleicht tat seine Familie nicht genug Vielleicht tat seine Schule oder die Armee nicht alles, und zuletzt hätte Paul selbst um Hilfe bitten sollen und tat es nicht.
VICKY LAYFIELD
Ich rief also das Militärkrankenhaus an denn er war Soldat gewesen und brachte ihn dorthin. Er blieb vier Tage. Dann sagten sie, ich solle ihn abholen, es fehle ihm nichts. Ich sagte: "Etwas stimmt da nicht, sonst würde der Mann doch nicht stehlen und Dinge tun, die nicht normal sind, die Menschen normalerweise nicht tun." Ich erinnere mich, dass er einmal weinte als er drei Tage weg gewesen war. Er rief mich an und sagte: "Vicky, ich muss mit dir reden!" Das war noch vor dem Mord. Er sagte, er wolle nicht vorbeikommen, er wolle mich an der Ecke treffen. Ich ging dorthin, stieg zu ihm ins Auto. Da sagte er: "Vicky, etwas ganz Schlimmes wird passieren." Versetzen Sie sich einmal in meine Lage. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen,_ dass so etwas geschehen würde. Ich sagte: "Paul, was meinst du damit?" Er sagte: "Etwas wirklich Schlimmes wird mit mir geschehen." Er wollte mich nicht mitnehmen. "Paul, ich bin doch deine Frau, ich will dir doch nur helfen." Er weinte. Das war damals, als ich ihn ins Militärkrankenhaus brachte, wo sie ihn nach vier Tagen entließen und sagten, es sei alles in Ordnung. Und ein paar Monate später beging er diesen furchtbaren Mord, der vollkommen sinnlos war.
VICTOR SPITZER
Was macht uns glücklich? Denken Sie an eine schöne Landschaft. In Ihrer Fantasie sind Sie dort! Ich weiß nicht, was Sie erfreut, vielleicht der Duft von Bergblumen. Wenn Sie die Augen schließen, versetzen Sie sich in diese Welt. Das ist keine reale Welt. Sie haben keinen Boden unter den Füssen._ Tun wir hier nicht dasselbe? Nur müssen wir die Augen offen halten und mit Bildern eine virtuelle Welt schaffen Es wäre besser, wir bräuchten sie nicht, wir wären fähig, uns das Innere des Menschen vorzustellen_ und hätten genug Informationen dazu. Sie wissen viel über Blumen und Berge, und wie Sie hinaufgelangen. Aber Sie können das nicht virtuell darstellen. Wenn man das tun kann, ist das genau, was ein Chirurg oder Arzt tut und was wir hier erreichen wollen: nicht diese virtuelle Computerwelt, sondern eine reale virtuelle Welt.
VICKY LAYFIELD
Wir hatten nie ein Grab, um ihn zur Ruhe zu betten. Wo ist seine Leiche? Das Leben braucht einen Abschluss. Ich frage mich immer, wo sein Körper ist
BOBBY JERNIGAN
: Sie nennen ihn den "visible man". Ich habe nie gesehen, wie es funktioniert. Aber ich sah, was sie vorhatten, dass sie einen Teil des Beins oder des Arms mit einem Skalpell ... mit der Maus, die über das Bild läuft, anklicken und öffnen, um nachzuschauen, was darunter ist. Man kann die Brust aufmachen und das Herz sehen, die Lungen ... Es gibt ihnen die Gelegenheit, chirurgische Eingriffe zu üben _ schon am Computer. Ich glaube, dass es ihnen sehr hilft. Aber ich habe mich noch nie vor einen Computer gesetzt, weil ich kein Internet habe. Ich habe es nie runtergeladen, um es genau anzuschauen. Vielleicht werde ich das eines Tages tun
VICTOR SPITZER
Wir wollen durch den ganzen Körper des Menschen reisen können, so wie Sie es sich wünschen. Hier fahren wir quer durch den Körper. Aber wir wollen dem Benutzer noch mehr anbieten: dass er sich nach seinem Maßstab im Körper bewegen kann, wie er will. Zum Beispiel den Thorax hinunterfliegen,_ durch die Luft- oder Speiseröhre, hinauf durch den Magen-Darm-Trakt. Wir können durch einen Muskel sausen, durch die Lunge schweben, in kleine Organe rein, unvorstellbar, dass man da noch herumschweben kann.
BOBBY JERNIGAN
: Paul war eher ein Mitläufer als ein Anführer. Wenn ihn jemand etwas fragte, egal wie verrückt, er war bereit mitzumachen. Warum, weiss ich nicht. Ich war anders. Ich tat etwas oder tat es nicht. Aber Paul passte sich an: Okay, wenn ihr das unbedingt wollt." Ich ertappte ihn oft dabei und musste ihn stoppen: Paul, das darfst du nicht tun!" Er war eher ruhig und schüchtern. Von selbst unternahm er kaum etwas. Wenn überhaupt, hätte er höchstens lebenslänglich verdient, was jeder andere bekommen hätte. Aber alle standen unter grossem Druck, ihn endlich von der Exekutionsliste streichen zu können. Aber darum ging es: Sie wollten ihn einfach loswerden, damit sie sich nicht mehr kümmern mussten
MARK TICER
Die Prophezeiung erfüllt sich von selbst wenn man die beiden Fragen beantwortet: Jeder Mord ist doch Folge einer Absicht! Und jeder Mord ist brutal! Nicht wahr? Einige mögen brutaler sein als andere. Aber führen diese Fragen wirklich weiter? Ob jemand in Zukunft eine Gefahr für die Gesellschaft darstellt? Wer zum Teufel kann das wissen? Vielleicht bei Wiederholungstätern. Aber Paul Jernigan mordete nur einmal. Es gab nichts, was darauf hinwies, dass es nochmals passieren würde. Aber das Gesetz ist nun mal so abgefasst, dass sich die Prophezeiung selbst erfüllt
PATRICK BATCHELOR
Ich sagte den Geschworenen zum Abschluss _ das kann man im Protokoll nachlesen _ dass es nicht darauf ankommt, wie sie die Fragen beantworteten. Das sei allein ihre Sache, gestützt auf die Beweise. Aber ich sagte ihnen: Eines Tages wird Joseph Paul Jernigan sterben. Ob eines natürlichen Todes oder durch Hinrichtung. Falls sie wüssten, wann dies wäre, sollten sie an diesem Tag das Ohr auf den Boden legen, dann könnten sie das Tor zur Hölle hinter seiner Mörderseele zuschlagen hören Denn ich glaube, dort ist er jetzt: Er schmort in der Hölle. An Paul Jernigan war nichts, was ihn hätte erlösen können. Wir hatten großes Glück, dass ihn einige Leute dazu brachten, auf seine Leiche zu verzichten, damit die Medizinische Wissenschaft und andere Leute davon profitierten. Aber ich glaube niemals, dass er wusste, worum es ging, und dies aus reinem Altruismus tat, um seinen Mitmenschen zu helfen.
VICTOR SPITZER
Ich habe nichts damit zu tun. Ich habe kein Problem mit seinem Körper. Selbst wenn er unschuldig gewesen wäre, hätte ich ihn genommen. Wir wissen, dass täglich Menschen zu Tode kommen, nur schon im Baugewerbe. Das ist Statistik. Wir wissen, dass unschuldige Menschen sterben. Das ist so. Das ist menschlich. Wir bauen weiter Häuser oder Brücken und nehmen das Risiko in Kauf. Die einzige Ausnahme, die ich kenne, ist der Tod durch nukleare Verstrahlung. In diesem Fall hören wir auf. Aber auch dafür gibt es keinen Grund. Der Tod ist unausweichlich. Manches geschieht gegen unseren Willen. Eine Exekution ist vergleichbar mit dem Bau eines Hochhauses: Ein kalkuliertes Risiko unseres Tuns. Uns kümmern ja auch die Scheußlichkeiten der Kriminellen, deren Verbrechen wir als Gesellschaft nicht tolerieren können.
MICHAEL ACKERMANN
In gewissen Staaten der USA ist die Todesstrafe selbstverständlich, weil die Bürger ihr zustimmen. Es ist daher nichts falsch daran, daraus einen Vorteil zu ziehen. Was wir taten, hat nichts damit zu tun, ob Texas die Todesstrafe kennt oder nicht Indem wir aus der Todesstrafe einen Nutzen zogen, drehten wir eine vielleicht negative Sache ins Positive.
PATRICK BATCHELOR
Wir können lange darüber streiten, ob die Todesstrafe überhaupt richtig ist Ich war nie ein großer Befürworter. Ich ziehe eine Strafe ohne Bewährung vor denn das ist die härteste Strafe. Jemanden nach Huntsville zu schicken, ihn auf die Pritsche zu schnallen, als ob man ihm die Mandeln rausnähme, und ihn dann einzuschläfern, das ist für mich absolut keine Strafe. Ich würde einem Typen, dem ich den Prozess gemacht habe, lieber ins Gesicht sagen: "Du erhältst lebenslänglich ohne Bewährung. Wir sperren dich in einen Käfig, zusammen mit den anderen Tieren, werfen dir dann und wann das Essen rein, aber du kommst nie mehr da raus _ bis ans Ende deiner Tage." Das nenne ich Strafe!
MICHAEL ACKERMANN
Im Sinne des Gesetzes war es ein fairer Prozess. Entweder glauben Sie an unser Rechtssystem, oder nicht. Gemäss Definition war alles fair: Die Berufungen wurden abgewiesen, die Beteiligten angehört, und die Gerechtigkeit nahm ihren Lauf. Befassen Sie sich mit dem Strafgesetz, dann müssen Sie auch daran glauben, sonst fällt alles in sich zusammen. Deshalb ist jedes Verfahren und jedes Urteil gerecht. Die Wissenschaft muss dem System folgen. Eigentlich wäre sie unabhängig. Aber sie muss sich anpassen, denn jemand muss für die Wissenschaft bezahlen. Und wenn das System bezahlt, kann es die Wissenschaft diktieren. So ist es nun mal.
BOBBY JERNIGAN
Früher hatte ich irgendwie Angst ... vor gewissen Dingen ... vor dem Sprechen vor so kleinen Dingen ... aber nach allem, was passiert ist, kann mir niemand mehr etwas antun ... das mich noch mehr verletzen könnte.
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